1997 und '98 entwickelte Cristina Barroso zwei Kunst-am-Bau-Projekte für öffentliche Gebäude in München.
Im Polizeipräsidium Neuperlach-Süd installierte sie zu Beginn dieses Jahres die Arbeit Schaltzentrale, eine vierteilige, auf die Karten Münchener Stadtteile aufgemalte neue Bilderreihe.
Eine spezielle Rahmenkonstruktion, die eigens für diese Raumsituation angefertigt wurde, ermöglicht ein homogenes "Anschmiegen" der Bilder an die konvex geschwungenen Betonwände im Foyer-Bereich des Verwaltungsgebäudes. So entsteht eine Verschmelzung von Kunst und Bau.
Der Haupttitel Schaltzentrale, sowie die Nebentitel der einzelnen Bilder, Gehirn, Baum, Fingerabdruck und Netz nehmen unmittelbaren Bezug auf den Ort, für den sie geschaffen wurden, auf das Gebäude und die mit ihm verbundenen Funktionen.
Die eigentliche Schaltzentrale, so die künstlerische Aussage der Bilderreihe, ist weniger das Polizeipräsidium als architektonischer Körper, als vielmehr die darin arbeitenden und agierenden Menschen. Dies hat Cristina Barroso abstrakt aber präzise in dem Bild Gehirn symbolisiert, das als eine Hauptarbeit dieser Reihe angesehen werden kann. Das Gehirn steht stellvertretend für den Menschen als die jeweils individuelle "Schaltzentrale", als Zentrum und Steuerungsorgan der eigenen Identität. Es kann aber auch als ein Hinweis auf die Eigenverantwortlichkeit des Handelns und Entscheidens jedes Einzelnen gedeutet werden.Im Gehirn laufen die rationalen Fähigkeiten und Funktionen des Verstandes genauso zusammen, wie es sich mit der gesamten emotionalen Seite menschlichen Fühlens und seiner Einflüsse auf das Denken auseinandersetzen muß. Das volle Spektrum möglicher Begriffe, die sich in diesem Zusammenhang wechselseitig durchdringen,
manchmal miteinander konkurrieren, doch stets miteinander verknüpft bleiben, ist in dem Bild dargestellt. Die Umrißlinien des Gehirns muten dabei durch die halbabstrakte Malweise des Bildes selbst wie Schaltkreise an.
Ein Netz, ein Fingerabdruck oder die sich ausbreitenden Ringe eines Baumstammes (letzterer ist für Cristina Barroso ein Symbol für natürliche, gewachsene, menschliche Struktur innerhalb der städtisch-urbanen) finden sich als abstrakte Elemente auf den Oberflächen der anderen Bilder. Sie nehmen ebenfalls Bezug auf Funktionen, Entscheidungen und Handlungen die mit der "Schaltzentrale" eines Polizeipräsidiums in Verbindung gebracht werden.
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1997 entstand für das Bayerische Landesvermessungsamt München die fünfteilige Arbeit Magnetfelder. Als Grundlage dient hier eine Topographische Karte Bayerns, die sich ausschnitthaft über die fünf hochformatigen Bilder verteilt, und von Cristina Barroso mit Darstellungen von Magnetfeldern übermalt wurde. |
| Gemäß der Himmelsrichtung von Süden nach Norden sind die einzelnen Gemälde von unten nach oben im Treppenhaus des Gebäudes über fünf Stockwerke verteilt. Die Magnetfelder erscheinen als abstrakt-dynamische Kraftfelder, in deren Mittelpunkt thematisch wieder der Mensch steht. Die Kürzel für Nord und Süd stehen als Hinweise auf Karte und Kartographie als menschlicher Orientierungssysteme. | ![]() |